Mit dynamischer Tourenplanung zu mehr Serviceorientierung
Vision einer dynamischen Tourenplanung mit PLANTOUR
Ausgangslage
Bei der heutigen Tourenplanung geht man davon aus, dass die Planung auf Basis von statischen Daten und Annahmen durchgeführt wird. Anwendungen wie die Software zur Tourenplanung, PLANTOUR von PASS, unterstützen Anwender dabei, strategische Entscheidungen über die Standortwahl und die Distributionsstruktur zu treffen. Bereits 1991 wurde die erste Version von PLANTOUR im Markt eingeführt. Zu diesem Zeitpunkt ging man davon aus, dass Berater die Zielgruppe der Lösung sein würden. Mittlerweile gehören IT-Lösungen in der Logistik zu den wesentlichen Instrumenten der Optimierung der Prozesskette. Anwender sind Logistikleiter, vor allem aber Disponenten. Die Einsatzbereiche finden sich in zahlreichen Branchen, speziell für die Auslieferverkehre im Handel wurde schon früh der Nutzen von Tourenplanungslösungen erkannt.
Neben der rein strategischen Betrachtung der Distributionsstrukturen, spielen auch taktische Fragestellungen eine Rolle. Wie groß muss der Fuhrpark sein? Wie gliedert man die Liefergebiete mittelfristig? Auch operativ müssen diese Fragestellungen auf Basis konkreter Auftragsdaten beantwortet werden. Und wie kombiniere ich als Disponent darüber hinaus Aufträge zu einer optimalen Tour, wenn es Zeitfenster und zahlreiche weitere Restriktionen zu berücksichtigen gilt?

- Einsatzbereiche / Lösungspalette
In der Regel erfolgt die Tourenplanung als Tagesplanung vorab, in einigen Fällen auch als Mehrtagesplanung (wie beispielsweise im Möbeleinzelhandel). Bisher geht man dabei von einer statischen Situation aus. Es wird angenommen, dass die Auftragsdaten für den jeweiligen Planungszeitraum bekannt und unveränderbar sind. Die Aufträge werden den Touren zugeordnet, man spricht von Rahmentouren. Die Umsetzung der Touren obliegt dabei dann den Fahrern. Kurzfristig notwendige Änderungen erfolgen direkt nach Absprache zwischen Fahrern und Disponenten. Sie werden manuell durchgeführt, ohne Berücksichtigung der aktuellen Bedingungen wie Fahrzeugstandorte, Stand der Beladung oder Terminzusagen. Eine Unterstützung durch Software ist nur selten vorhanden. Aktuelle Daten über die tatsächliche Situation liegen nicht systematisch vor. Die Zielsetzung ist hauptsächlich die Minimierung der Wegstrecke. Dies wirkt sich positiv auf die Dauer, Kosten und Anzahl der Fahrzeuge aus, welche für die Umsetzung der Touren benötigt werden.
Die folgende Abbildung zeigt die manuelle Planung anhand einer Wandkarte:

- Wandkarte
Bei der manuellen Vorgehensweise werden für jeden Kundenstandort eine Nadel (oder Pin) auf der Karte platziert. Mit einem Faden (oder Gummi) werden dann mehrere Kunden zu einer Tour verbunden. Für jede Tour wird eine unterschiedliche Farbe verwendet, um die Übersicht zu ermöglichen. Über die optische Zuordnung wird also festgelegt, welcher Kunde auf welche Tour geplant wird. Restriktionen muss der Planer dabei im Kopf haben.
Die folgende Abbildung zeigt nun im Vergleich ein Dispositions-Büro im Jahr 2010:

- Dispositionsbüro im Jahre 2010
Die Tourenplanung erfolgt hier komplett am PC. Alle relevanten Informationen, vor allem die Restriktionen der Kunden, sind im System hinterlegt. Eine elektronische Plantafel zeigt die aktuellen Statusinformationen zu den Touren an. In diesem Leitstand laufen alle Informationen zusammen.
Veränderung
Die traditionelle Sicht auf die Logistik ist seit Jahrzehnten auf zwei Faktoren festgelegt. Preis (Kosten) und Geschwindigkeit. Güter sollen möglichst schnell und kostengünstig von A nach B befördert werden. Dabei wird der Druck in der Prozesskette von oben nach unten an die Marktteilnehmer weitergegeben. Die zurückliegende Outsourcing-Welle des Eigenfuhrparks hat den Markt stark geprägt. Aus Angestellten wurden - nicht selten - Transportdienstleister, welche nun am Markt selbständig dem Preisdruck standhalten müssen. Solange die Unternehmen an der traditionellen Sicht (Preis und Geschwindigkeit) festgehalten haben, hat sich die Spirale stetig abwärts gedreht. Mit dem Ergebnis, dass zuverlässige Dienstleister im Transportgewerbe knapp wurden.
Der rapide Qualitätsverlust sorgt jedoch für ein Umdenken. Die Sicht auf die Logistik wird neu definiert. Neben den Faktoren Preis und Geschwindigkeit werden Service und Nachhaltigkeit gleichgewichtig eingestuft. Doch was bedeuten diese beiden neuen Faktoren konkret?
Service
Die Service-Orientierung ist keine neue Erfindung der Logistiker. Seit längerem ist das Bewusstsein für Service bei den verschiedensten Geschäftsprozessen ein wesentliches Merkmal. Über Servicegrade positionieren und profilieren sich Unternehmen im Wettbewerb. Der Kunde steht wieder im Mittelpunkt.
Für die Logistik bedeutet dies eine noch höhere Flexibilität und Reaktionsgeschwindigkeit. Neue Gegebenheiten müssen in kürzester Zeit berücksichtigt werden. Eine veränderte Auftragslage, neue Kundenanforderungen und die Termintreue spielten bei den statischen Annahmen keine Rolle. Diesen Serviceanspruch künftig ohne Kostensteigerungen zu erfüllen, wird Unternehmen vor große Herausforderungen stellen. Nur über eine weitere Optimierung der Prozesse der gesamten Logistik- und IT-Kette wird dies zu bewältigen sein. Vor allem die Prozesse rund um die Tourenplanung bergen viele Möglichkeiten.
Nachhaltigkeit
Der Versuch einer Definition:
Nachhaltigkeit ist eine Entwicklung, welche die Bedürfnisse der gegenwärtigen Generation befriedigt, ohne das künftige Generationen ihre Bedürfnisse nicht mehr befriedigen können.
Oder kürzer:
Nachhaltig entspricht ökologisch verantwortlichem Handeln.
Wie auch immer man dieses Trendwort Nachhaltigkeit definieren möchte, es wird ein immer stärkeres Kauf- und Entscheidungskriterium. Spätestens wenn sich Verbraucher über Nachhaltigkeit bewusst werden, wird dies auch für die Unternehmen zur Pflicht. Bisher war es vielleicht nur ein Trend, ein Hype. Doch die strategische Bedeutung ist immens. Der stete technologische Wandel fordert Unternehmen, Finanzinstitute, öffentliche Einrichtungen und die Gesellschaft permanent heraus und birgt neue Ideen und Möglichkeiten. Kooperationen müssen viel stärker als bisher gefördert werden. Neben horizontalen logistischen Zusammenschlüssen zwischen Herstellern und Händlern, sind auch vertikale Kooperationen zwischen Branchenteilnehmern bis hin zu Wettbewerbern notwendig. Dies alles öffnet neue Geschäftschancen. Aber auch völlig neue Geschäftsmodelle werden entstehen. Nachhaltigkeit bietet schon jetzt den Nährboden für zahlreiche Innovationen. Doch auch die Gesetzgeber sind gefragt. Es bedarf Standards, u. a. für die Kennzeichnung von CO2-Emissionen und -Bilanzen. Standards für „grüne“ Produkte und Services. Sobald diese definiert und klar geregelt sind, wird der Kalkulationsprozess und somit der Preis von Gütern und Services durch diese Einflussgröße stark geprägt werden.
Dynamische Tourenplanung
Will man Service und Nachhaltigkeit in der Logistik (stärker) berücksichtigen, so müssen vor allem die Touren bzw. die Tourenplanung dynamischer werden. Anstatt einer statischen Annahme von Auftragslage und Kundenanforderungen muss man nun von flexiblen Veränderungen ausgehen. Eine agile Anpassung der Touren wird benötigt. Tourenpläne sind permanent und kostenoptimal aufgrund von eintretenden Veränderungen zu überprüfen und anzupassen. Branchen, welche bereits seit längerem mit diesen Änderungen und Einflüssen auf den Planungsprozess zu „kämpfen“ haben sind beispielsweise Kurier-Express-Paket-Dienstleister (KEP), Service-Techniker und Pannendienste. Die Serviceorientierung wird dazu führen, dass sich künftig alle Logistiker und Transportdienstleister dieser Herausforderung stellen müssen.
Was sind die Voraussetzungen für dynamische Touren?
Zu allererst muss planerische Freiheit im Unternehmen gestattet werden. Die klassischen Bewertungsmethoden werden nicht mehr greifen, um Tourenergebnisse für gut oder schlecht zu befinden. Das gesamte Unternehmen muss sich auf die neue Form der Tourenplanung einstellen. Organisatorische Maßnahmen werden notwendig und müssen von allen Beteiligten akzeptiert werden. Technisch gilt es zu lösen, dass zu jedem Zeitpunkt des Planungsprozesses aktuelle Daten vorliegen. Konkret müssen Informationen zur Auftrags- und Verkehrslage in die Überlegungen der Tourenplanung einfließen. Auch die Position der Fahrzeuge sollte entsprechend berücksichtigt werden. Und schlussendlich müssen alle diese Informationen systemtechnisch in kürzester Zeit verarbeitet werden können. Denn es gilt im Sinne der Nachhaltigkeit insbesondere Leerfahrten zu vermeiden, die heute gut 25 % aller LKW-Kilometer ausmachen.

- Anteil Leer-Kilometer an LKW-Kilometer gesamt EU
Auch wenn die Software für die Verarbeitung der Datenflut verantwortlich ist, wird eine dynamische Tourenplanung kein Automatismus werden. Sie ist nicht als vollautomatisierter Prozess denkbar, sondern als ein Werkzeug und eine Entscheidungshilfe. Ziel ist es, dass die Software für Disponenten ein Hilfsmittel darstellt und keinen Ersatz. Die Verantwortung für die dispositiven Prozesse und die Kompetenz liegt nach wie vor beim Menschen.
Die Optimierungssoftware PLANTOUR wird weiter mit den Marktanforderungen wachsen und sich von der noch statischen Tourenplanungssoftware zu einer dynamischen Lösung wandeln. Der Anfang ist gemacht, so können heute bereits Verkehrsdaten online aus dem Internet verarbeitet werden. Über die Anbindung von Telematiksystemen werden Ist-Informationen, wie Standzeiten und Fahrzeugpositionen, gesammelt. Durch die Verzahnung mit ERP- und LVS-Systemen sind Auftragsdaten stets aktuell abrufbar.
Neben dem klassischen Ziel der Wegstreckenoptimierung wird sich die Anwendung künftig auch am maximalen Durchfluss der Aufträge messen lassen müssen. PLANTOUR wird dann mehrfach täglich aufgrund der Eingangsinformationen die Tourenpläne modifizieren. Zeitfenster werden nicht mehr länger als harte Restriktionen, sondern als weiche berücksichtigt, da nun andere Faktoren stärker beachtet werden können. Als optimal angesehene Ergebnisse müssen gegebenenfalls schon kurze Zeit später wieder verworfen werden - eine spannende Vorstellung.



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